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Interview mit Anja: Schülerin an der Handelsschule der FSWI

Über 20 Jahre lang stand für Anja vor allem ihre Familie im Mittelpunkt. Heute besucht sie die Handelsschule an der FSWI und baut sich Schritt für Schritt neue berufliche Perspektiven auf.

Im Interview erzählt sie, warum sie sich mit über 50 für eine Weiterbildung entschieden hat, welche Herausforderungen sie meistern musste und warum Lernen in jedem Alter eine Bereicherung sein kann.

Anja, erzähl uns kurz: Wer bist du und was machst du beruflich?

Ich bin Anja, bald 52 Jahre alt, Mutter von drei tollen Kindern und arbeite seit etwa fünfeinhalb Jahren bei der Spitex im Frischmahlzeitendienst. Mein Weg war allerdings nicht geradlinig. Über 20 Jahre lang war ich hauptsächlich Hausfrau und habe mich um meine Familie gekümmert. Mein jüngster Sohn ist Autist, was natürlich eine besondere Herausforderung mit sich bringt. Gleichzeitig bin ich sehr dankbar für diese Zeit, weil ich meine Kinder intensiv begleiten durfte.

Nach einer Trennung hat sich mein Leben stark verändert und ich wollte wieder stärker ins Berufsleben einsteigen. Bei der Spitex habe ich eine Arbeit gefunden, die mir bis heute sehr viel bedeutet. Ich arbeite gerne mit Menschen und habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.

Warum hast du dich entschieden, eine Weiterbildung zu machen?

Meine Arbeit bei der Spitex ist körperlich recht anstrengend und gleichzeitig hatte ich gesundheitlich immer wieder Höhen und Tiefen. Irgendwann stellte ich mir deshalb die Frage, wie lange ich diese Tätigkeit noch ausüben kann und wie meine berufliche Zukunft aussehen soll.

Dabei wurde mir klar, dass ich mich weiterentwickeln und mir neue Möglichkeiten eröffnen möchte. Besonders interessiert haben mich Büro- und Planungstätigkeiten. Die Weiterbildung gibt mir die Möglichkeit, die kaufmännischen Grundlagen kennenzulernen und besser zu verstehen, wie diese Welt funktioniert.

Welche Weiterbildung besuchst du aktuell?

Ich besuche an der FSWI die Handelsschule mit Bürofachdiplom und anschliessendem Handelsdiplom. Für mich ist das eine ideale Kombination, um den kaufmännischen Bereich kennenzulernen und mir Schritt für Schritt ein solides Fundament aufzubauen.

Die Ausbildung vermittelt mir wertvolles Wissen in Bereichen wie Rechnungswesen, Recht, Betriebswirtschaft und Informatik. Gleichzeitig gibt sie mir die Möglichkeit, herauszufinden, in welche Richtung ich mich künftig entwickeln möchte.

Welche beruflichen Ziele verfolgst du mit dieser Weiterbildung?

Mein Ziel ist es, langfristig stärker in Richtung Büroarbeit oder in eine planerische Tätigkeit zu wechseln. Im Moment arbeite ich weiterhin bei der Spitex und schaue, welche Möglichkeiten sich dort oder ausserhalb ergeben.

Durch verschiedene Begegnungen haben sich bereits interessante Perspektiven eröffnet, beispielsweise ein mögliches Quereinsteigerprogramm bei einer Bank. Die Weiterbildung hilft mir dabei, die notwendigen Grundlagen aufzubauen und mich auf solche Chancen vorzubereiten.

Du warst lange nicht mehr in der Schule. War der Wiedereinstieg schwierig?

Ja, teilweise schon. Wenn man viele Jahre nicht mehr in der Schule war, muss man sich zuerst wieder an das Lernen gewöhnen. Besonders herausfordernd war für mich der Umgang mit dem Computer und Programmen wie Excel. Das war früher einfach nicht meine Welt.

Mit der Zeit habe ich aber gelernt, mich darauf einzulassen und Neues auszuprobieren. Sehr geholfen hat mir dabei meine Disziplin. Wenn ich mich für etwas entscheide, dann möchte ich es auch richtig machen. Deshalb investiere ich die notwendige Zeit und bleibe dran, auch wenn etwas nicht auf Anhieb funktioniert.

Welche Fächer gefallen dir besonders gut?

Besonders spannend finde ich Betriebswirtschaftslehre. In meiner Vergangenheit haben wir als Familie zwei Unternehmen aufgebaut. Damals habe ich vieles mitbekommen, aber oft nur am Rande verstanden.

Durch den Unterricht ergeben sich heute plötzlich viele Verknüpfungen. Themen wie Marketing, Personal, Strategie oder Finanzen hängen zusammen und ergeben ein grosses Ganzes. Genau dieses Verständnis fasziniert mich und macht das Fach für mich besonders interessant.

Und was war für dich am herausforderndsten?

Rechnungswesen und Recht waren sicher anspruchsvoll, vor allem weil vieles für mich neu war oder lange zurücklag. Gleichzeitig hat aber jedes Fach seine eigenen Herausforderungen.

Das Schöne ist, dass mit der Zeit das Verständnis wächst. Wenn man dranbleibt, merkt man plötzlich, dass Dinge, die anfangs kompliziert wirkten, immer verständlicher werden.

Wie hilfst du dir, wenn du beim Lernen nicht weiterkommst?

Ich frage oft Menschen aus meinem Umfeld um Hilfe. Besonders meine Kinder unterstützen mich manchmal bei technischen Themen. Mein Sohn kennt sich zum Beispiel sehr gut mit Computern aus und kann mir vieles schnell erklären.

Daneben nutze ich auch digitale Hilfsmittel, um mir Inhalte erklären zu lassen oder Lösungen zu finden. Spannend finde ich dabei den Rollenwechsel innerhalb der Familie. Früher war ich diejenige, die meinen Kindern Dinge erklärt hat. Heute kommt es vor, dass sie mir helfen.

Wie bist du auf die FSWI aufmerksam geworden?

Ich habe im Internet nach einer kaufmännischen Weiterbildung gesucht und bin dabei relativ schnell auf die FSWI gestossen. Der Auftritt der Schule hat mich sofort angesprochen. Die Atmosphäre wirkte offen, freundlich und einladend.

Als ich dann zu einem Beratungsgespräch kam, fühlte ich mich von Anfang an ernst genommen. Gemeinsam wurde geschaut, welche Optionen für meine Situation sinnvoll sind und welche Wege mir offenstehen. Genau dieses Gefühl war für mich entscheidend.

Was gefällt dir besonders an der FSWI?

Besonders schätze ich die freundliche Atmosphäre, den respektvollen Umgang miteinander und die Unterstützung, die man als Studierende erhält. Wenn es einmal Schwierigkeiten gibt oder man Unterstützung benötigt, wird gemeinsam nach Lösungen gesucht.

Auch die Flexibilität der Schule gefällt mir sehr. Man kann bei Bedarf online am Unterricht teilnehmen, wenn man krank ist oder nicht vor Ort sein kann. Ich persönlich komme zwar am liebsten ins Schulzimmer, finde es aber sehr beruhigend, diese Möglichkeit zu haben.

Du hast einen relativ langen Weg zur Schule. Stört dich das nicht?

Überhaupt nicht. Ich bin etwa eine Stunde mit dem Zug unterwegs und nutze diese Zeit oft zum Lernen oder zur Vorbereitung auf den Unterricht. Gleichzeitig ist der Schultag für mich ein bewusster Wechsel aus dem Alltag heraus.

An der Schule treffe ich Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen und Altersgruppen. Genau diese Mischung macht den Austausch spannend und bereichert den Unterricht zusätzlich.

Was würdest du anderen Menschen sagen, die überlegen, eine Weiterbildung zu machen?

Ich würde ihnen sagen: Traut euch. Viele Menschen glauben, sie seien zu alt oder hätten den richtigen Zeitpunkt verpasst. Meine Erfahrung zeigt genau das Gegenteil.

Man lernt nicht nur fachlich viel Neues, sondern entwickelt sich auch persönlich weiter. Man verlässt seine Komfortzone, gewinnt Selbstvertrauen und entdeckt neue Möglichkeiten.

Natürlich gibt es auch schwierige Momente. Aber wenn man dranbleibt und an sich glaubt, öffnen sich oft Türen, die man vorher gar nicht gesehen hat. Eine Weiterbildung ist in jedem Alter eine Bereicherung.

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